Papierarbeiten an der Côte D' Azur


Katalogtext von Prof. Hermann-Josef Kuhna, Düsseldorf 2010

In den Jahren 2007 und 2009 bezog Susanne Kamps ein Atelier in den Berghängen der Côte d’Azur – mit Blick auf das Mittelmeer. Es entstanden in diesem Atelier viele Ölbilder in unterschiedlichsten Formaten. Daneben gibt es eine beachtliche Anzahl von Papierarbeiten, überwiegend Aquarelle. [ close ]
Diese Papierarbeiten kann man als eine eigene Werkgruppe sehen. Sie entstand außerhalb des Ateliers, nämlich auf der Terrasse des Ateliers ca. 250 m über dem Meeresspiegel, wie auch direkt am Ufer des Meeres sowohl in Nice als auch in Menton. Die Wahl der Technik fiel auf das Aquarell und hier muss man eine Besonderheit des Einsatzes dieser Technik hervorheben.

Einmal wird der Bildaufbau durch feinste Linea­mente bestimmt, die der Darstellung z. B. von Palmstämmen und -blättern, Segelbootmasten und Takelagen, Zäunen, Wegböschungen, Häusern und allen vorkommenden Formen der prächtigen Vegetation dienen. Das malerische Grundgerüst wird von gebündelten Farbpunkten und -strichen ausgefüllt und überzogen, sie bilden ständig variierende Rhythmen.

Es gibt also ein malerisches Grundgerüst, das sich jedoch dem Graphischen oder Holzschnitt­artigen entzieht, da es überwiegend lasierend mit dem weißen Untergrund des Aquarellpapiers spielt. Auf der anderen Seite wird die Aquarellfarbe in ihrer ursprünglicheren, dynamischen Form des Fließens und des strömenden sich Ausbreitens eingesetzt, vornehmlich beispielsweise bei Partien des Meeres, der Wolken und entfernterer Berghänge.

Heftige, freundliche Farbkontraste sorgen für eine positive Grundstimmung der Bilder. Die gesamte Breite aller Türkis-, Blau- und Violett­töne kontrastiert mit den prägnanten Ocker- und Erdfarben der Berghänge, der Gebäudeteile, von Markisen oder prächtig blühenden Büschen. Feine Lilatöne nisten sich in zarter rosa Umgebung ein; selten, aber umso erregender, gibt es hier und da ein reines kaltes oder warmes Rot. Dunkelstes feuriges Grün bestimmt manche Baumkronen oder Zypressen, die ein fast dramatisches Eigenleben zu führen scheinen. Köstliche Orange- und Gelbtöne werden in Arkaden, Bodenkeramik oder Schaufensterarchitekturen wahrgenommen.

In den Hafenbildern spielt die Wahrnehmung der architektonischen Eigenheiten eine besondere Rolle. Selbst die monotonen Apartmenthausfassaden am Strand werden zu farbigen Reflektoren ihrer Umgebung oder des Himmels. Die genaue Betrachtungsweise erlaubt Susanne Kamps auch diesen, auf den ersten Blick monoton anmutenden Gebäuden, einer wahrheitsgemäßen malerischen Bearbeitung zu unterziehen.
Mit demselben freundlichen malerischen Interesse wird auf die bizarren Formen der Gebäude in schmalen Gassen und Hinterhöfen eingegangen. Hier erfreut uns eine rein zufällig gehisste französische Nationalflagge genauso wie eine altmodische Fernsehantenne oder ein gedeckelter Schornstein. Hinterhofbepflanzungen werden genauso genüsslich zitiert wie eine alte Gaslaterne oder der Wäscheständer auf dem Balkon.

Alles in allem bestätigen auf äußerst differenzierende Art und Weise die Aquarelle von Susanne Kamps unsere schönsten Erinnerungen an die Côte d’Azur, oder wenn man diese nicht kennt, können sie uns fern- oder sehnsüchtig machen. Moderne Touristenziele werden uns als ein der Zeit entzogenes Arkadien vorgestellt, was sie meiner Meinung nach auch sein könnten.